


Ein US-Marshal ermittelt auf einer isolierten Insel. In einer Einrichtung für psychisch gestörte Schwerverbrecher verschwindet eine Patientin spurlos. Die Suche nach der Wahrheit verstrickt sich in düstere Erinnerungen und medizinische Rätsel. Die Grenzen zwischen Ermittlung und eigener Wahrnehmung verschwimmen zunehmend. Der Film arbeitet mit einer beklemmenden Atmosphäre. Die Handlung bleibt bis zur letzten Sequenz rätselhaft.
Martin Scorsese. USA 2010. 138 Min. OV. Mit Leonardo DiCaprio, Mark Ruffalo, Ben Kingsley, Max von Sydow. Im Jahr 1954 meldet sich der US-Marshal Teddy Daniels zu einem gefährlichen Spezialauftrag: Gemeinsam mit seinem neuen Kollegen Chuck Aule soll er das mysteriöse Verschwinden einer gewissen Rachel Solando untersuchen, die auf der Insel Shutter Island interniert war – einer Gefängniseinrichtung für psychisch gestörte Schwerverbrecher. Bald schöpft er einen schwerwiegenden Verdacht: dass hier auf der abgeschieden Felseninsel in dem von Dr. Cawley geleiteten Ashcliff Hospital grausame Experimente an Menschen durchgeführt werden – möglicherweise sogar als streng geheime Weiterführung medizinischer Versuche, die die Nationalsozialisten in den Konzentrationslagern an ihren Opfern vornahmen. Und während Teddy Hinweise darauf findet, dass es auf der Insel offenbar noch einen zusätzlichen Patienten gibt, der nicht in der offiziellen Kartei geführt wird, quälen ihn zunehmend Erinnerungen an seine verstorbene Frau und seine Erlebnisse aus dem Zweiten Weltkrieg, als er an der Befreiung des Lagers Dachau beteiligt war… Im Kreise der Figuren, die Martin Scorsese in seinen Filmen mit der Mission betraut, das eigene Ich zu finden, hat Teddy Daniels mit Sicherheit am meisten zu kämpfen – sieht er sich doch zunehmend in einem Netz düster heraufdrängender Traumata und trügerischer Erkenntnisse über seine aktuellen Ermittlungen verstrickt. Scorseses Vorliebe für filmgeschichtliche Referenzen führt ihn diesmal an den Beginn des psychoanalytisch beeinflussten Kinos – Dr. Caligari entrichtet unübersehbar seine Grüße an einen Film, in dem es vor Künstlichkeit und selbstreferenziellen Kabinettstückchen nur so wimmelt. Am Ende hat sich Teddys Tour de Force durch derart viele Erzähl- und Wahrnehmungsebenen gewunden, dass die legendäre Schlusssequenz kaum eindeutig aufzulösen ist. Trotz alledem – oder vielleicht auch gerade deswegen – zählt Shutter Island zu jenen Filmerfolgen des Meisters, die auch breitere Massen ins Kino lockten. Hierzulande mag sich das Publikum besonders darüber gefreut (oder gewundert) haben, dass auf dem Filmplakat der Leuchtturm von Warnemünde abgebildet ist – dies war aber offenbar bloß eine Entscheidung der Grafikabteilung, die keine Verbindung zur Filmhandlung zulässt.
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