


Rupert Pupkin lebt in einer Welt aus Pappe und Kassettenrekordern. In seinem Keller führt er Gespräche mit Pappfiguren der Unterhaltungsbranche und hält sich für den nächsten großen Star. Die Realität hat in diesem Leben keinen Platz. Um seinen Traum vom Durchbruch zu erzwingen, belästigt er den Showmaster Jerry Langford. Was als harmlose Ambition beginnt, kippt in eine verzweifelte Strategie. Scorsese zeichnet das Porträt eines Mannes, der sein Selbstbild über die Vernunft stellt. Der Film balanciert präzise zwischen Komödie und Abgrund. Robert De Niro zeigt hier eine seiner komödiantischsten Leistungen, während die Figuren um ihn herum hart an der Realität scheitern. Eine Studie über den Wunsch nach Anerkennung, die bis heute ihre Wirkung behält.
Martin Scorsese. USA 1982. 109 Min. OV. Mit Robert De Niro, Jerry Lewis, Diahnne Abbott, Sandra Bernhard. Rupert Pupkin hat es geschafft: In einem TV-Studio plaudert er mit den Größten aus dem Showbusiness – heute sitzt er zwischen Liza Minelli und dem Star-Entertainer, Comedian und Showmaster Jerry Langford. Ein Meeting auf Augenhöhe. Aber all das ist nur eine Fantasie, getragen von einer gehörigen Portion Realitätsverlust. Denn wir sind nicht in einem TV-Studio, sondern im dunklen Kellerzimmer der elterlichen Wohnung, in dem Rupert sich seinem großen Traum hingibt: Vor einer Fototapete mit einem applaudierenden Publikum übt er seine Witze, Jerry und Liza sind aus Pappe, und auf einem kleinen Kassettenrekorder nimmt er seine neuesten Gags auf. Denn Rupert hat einen Plan: Er wird zu Jerry Langfords Produktionsfirma gehen und ihn persönlich von der Qualität seiner Pointen überzeugen. Dort weist man ihn ab – aber kein Problem, dann fährt Rupert mit seiner Freundin eben zu Jerrys Landhaus, unangemeldet, versteht sich. Als auch dieser Move keinen Erfolg zeitigt, entschließt Rupert sich zum äußersten Schritt… Es ist der vielleicht verzweifelste Versuch einer von Scorsese geschaffenen Figur, sich neu zu erfinden und gegen alle Widerstände den Weg einzuschlagen, der dem eigenen Selbstbild entspricht. Und mit Sicherheit ist es die komischste Variante dieser für Scorsese typischen Legendenbildung des Egos – was im Übrigen nicht im Widerspruch dazu steht, dass man diesen Film durchaus auch als Tragödie lesen kann. Denn was den Figuren – nicht nur Rupert, sondern auch den Frauen, die ihm zur Seite stehen – an würdelosen Momenten zugemutet wird, ist wirklich spektakulär. Ein um‘s andere Mal werden sie durchaus schmerzhaft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Gerade in diesen Momenten liegt der Antrieb des Komischen. Und es ist nicht zuletzt Robert De Niro, dessen unglaubliches Talent als Komiker hier den eindrucksvollen Höhepunkt seiner an Komödien nicht armen Karriere findet.
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