


Hendrik Höfgen sucht seinen Platz in einer Gesellschaft, die sich radikal wandelt. Er ist Schauspieler, kein Widerstandskämpfer, und arrangiert sich mit den neuen Machthabern. Frank Castorf nimmt den Roman von Klaus Mann als Grundlage. Die Inszenierung am Berliner Ensemble untersucht, wie Kunst und Barbarei koexistieren können. Der Abend thematisiert den Verrat eigener Werte für den beruflichen Aufstieg. Es geht um den Rausch der Macht und die Verführbarkeit durch den Untergang.
Von Klaus Mann\n\nKlaus Manns im Exil geschriebener Roman – eine Satire über Opportunismus und den Verrat einst salonfähiger Werte – wurde 1936 sofort verboten. Im Mittelpunkt: Gustaf Gründgens alias Hendrik Höfgen, der berühmte Schauspieler, der im Nationalsozialismus \"ein Clown zur Zerstreuung der Mörder\" wurde. Frank Castorf konfrontiert uns mit dem Rausch der Macht, der Erotik des Verrats und dem Charme des Untergangs – damals nicht weniger verführerisch als heute.\n\nDer von Klaus Mann im Exil geschriebene und im Untertitel genannte \"Roman einer Karriere\", der \"nur Typen darstellen sollte, nicht Porträts\", wurde umgehend nach seinem Erscheinen 1936 verboten. Denn der einst enge künstlerische Mitstreiter und Schwager von Klaus Mann, der in der Rolle des Mephisto berühmt gewordene Schauspieler, Regisseur und Intendant Gustaf Gründgens war in der Hauptfigur des Hendrik Höfgen leicht zu identifizieren. Als ein vor den Nationalsozialisten geflüchteter, sich zum antifaschistischen Widerstand und zu seiner Homosexualität bekennender Autor, schrieb Klaus Mann mit \"Mephisto\" eine gehässige Satire über den Opportunismus von ehemaligen Salonkommunisten, die in Deutschland zwischen 1925 und 1936 im Handumdrehen zu \"Affen der Macht\" mutierten. Für den Widerspruch von hoher Kunst inmitten niedrigster Barbarei wurde Gründgens Paradebeispiel. \"Ich bin doch nur ein ganz gewöhnlicher Schauspieler\" lautet der letzte Satz von Höfgen im Roman, und ein Schauspieler muss spielen. Frank Castorf konfrontiert uns mit dem Rausch der Macht, der Erotik des Verrats und dem Charme des Untergangs, von dem wir damals wie heute verführbar sind.
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