


Chinua Achebes Roman Alles zerfällt markierte 1958 einen Wendepunkt der Weltliteratur. Das Werk schildert den Zerfall einer nigerianischen Gesellschaft unter britischer Kolonialherrschaft am Beispiel des Kriegers Okonkwo. Seine erzwungene Härte dient als Spiegel einer Welt, die sich gegen äußeren Druck zu behaupten versucht. Im Literaturforum im Brecht-Haus analysieren die Sozialwissenschaftlerin Bafta Sarbo und Wolfgang M. Schmitt die Relevanz des Textes für die Gegenwart. Im Zentrum steht die Frage, wie das Werk heute auf Themen wie Neokolonialismus und autoritäre Männlichkeit blickt. Die Veranstaltung verbindet literarische Analyse mit politischem Diskurs. Es geht um das Verständnis von Strukturen, die auch Jahrzehnte nach der Erstveröffentlichung Bestand haben.
Mit seinem ersten Roman betrat der nigerianische Schriftsteller Chinua Achebe gleich das Parkett der Weltliteratur: »Alles zerfällt« (»Things Fall Apart«) erschien 1958 und erzählt davon, wie eine Gesellschaft an der britischen Kolonialherrschaft zerbricht. Im Zentrum des Romans steht Okonkwo, ein angesehener Bauer und Krieger im heutigen Nigeria gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Weil sein Vater als erfolglos und unzuverlässig galt, hat Okonkwo beschlossen, das Gegenteil zu tun und sein Leben auf Leistung, Härte und gesellschaftlichen Aufstieg auszurichten. Alles, was er als Schwäche empfindet, unterdrückt er, nicht zuletzt bei sich selbst. Diese Härte beruht auf der brutalen kolonialen Herrschaft, der Okonkwo nicht entkommen kann. Mit der Autorin und Sozialwissenschaftlerin Bafta Sarbo (»Die Diversität der Ausbeutung«) spricht Wolfgang M. Schmitt über den in 45 Sprachen übersetzten Roman von Chinua Achebe. Inwieweit spricht das Meisterwerk angesichts von Neokolonialismus und autoritärer Männlichkeit heute noch zu uns?
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