


Die Alte Nationalgalerie bricht ihre gewohnte Ordnung auf. Über zehn Räume verteilt finden sich Werke von Gursky, Lucas, Miró und Warhol inmitten der historischen Sammlung. Die Ausstellung sucht den Dialog zwischen Epochen. Das Konzept ordnet Kunst nach Motiven wie Stillleben, Porträt oder Abstraktion. So trifft etwa Adolph Menzels Eisenwalzwerk auf Andreas Gurskys Börsenfotografie. Es geht um den Vergleich von Arbeitswelt, Selbstbildnis und künstlerischer Herangehensweise. Die Intervention nutzt den gesamten Bestand des Hauses über drei Etagen. Die historischen Räume dienen als Rahmen für eine neue Sicht auf die Sammlung. Die gewohnten Sehgewohnheiten werden dabei gezielt herausgefordert.
Warhols „Diamond Dust Shoes“ hängt neben einem Stillleben von Paul Cézanne. Genau solche Gegenüberstellungen sind der Punkt: Zum 150-jährigen Jubiläum bringt die Alte Nationalgalerie Kunst des langen 19. Jahrhunderts und des späten 20. Jahrhunderts in einen direkten Dialog. \n\n„Über Zeiten“ verteilt sich auf zehn Räume und alle drei Etagen des Hauses – nicht als abgeschlossene Sonderausstellung, sondern eingestreut in die historische Sammlungspräsentation. Wer durchgeht, stößt immer wieder auf Werke, die dort zunächst nicht hingehören. \n\nEinige der Paarungen: Gotthard Graubners Farbraumkörper treffen auf Impressionismus und Postimpressionismus. Adolph Menzels „Eisenwalzwerk (Moderne Cyclopen)“ von 1872 bis 1875 steht neben Andreas Gurskys „Singapore Bourse II“ von 1997 – Realismus der Arbeitswelt gegen ein verdichtetes Bild der Börsenwirklichkeit. Und dem Selbstbildnis der Malerin Sabine Lepsius, die sich um 1900 in einem von Männern dominierten Betrieb behaupten musste, antwortet ein fotografisches Selbstbildnis von Sarah Lucas: rauchend, in lässiger, männlich konnotierter Pose, am Objektiv vorbeiblickend. \n\nThematisch geordnet ist das Ganze nach Gattungen und Motiven – Stillleben, Selbstbildnis, Porträt, Abstraktion und Gegenständlichkeit, Malerei, Fotografie und Skulptur. Hintergrund ist der gemeinsam geführte Bestand der inzwischen sechs Häuser der Nationalgalerie, der vom späten 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart reicht. Als die Nationalgalerie 1876 auf der Museumsinsel eröffnete, war sie selbst ein Haus für zeitgenössische Kunst.
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