


Otto Reutter tauschte den Schreibtisch gegen die Bühne. Im Theater im Palais wird sein Werk wieder lebendig. Es geht um Kabarett und Monologe, die den Zeitgeist der vergangenen Jahrzehnte einfangen. Reutter sang von den Dingen, die den Menschen auf den Nägeln brannten. Der Abend bietet einen historischen Blick auf den Alltag. Mit Humor und einer Spur Galgenhumor wird das Leben in Berlin betrachtet.
Friedrich Otto August Pfützenreuter verließ Ende des 19. Jahrhunderts den für ihn bestimmten Bürostuhl in Gardelegen in der Altmark, um die Bretter dieser Welt zu erobern. Mit einem Kopf voller Reime und der Sehnsucht nach großen Tragödien erreichte er auf Umwegen Berlin, wo das Herz der Welt zu schlagen schien. In den ersten Jahrzehnten des neuen Jahrhunderts in der aus allen Fugen platzenden Stadt voller Paradeschritte, Marschmusik, Kriegsgeschrei, den grauen Folgen und den „goldenen Zwanzigern“ stand er, Otto Reutter – mit tt – und mit großen runden Augen lächelnd auf der Bühne und wusste, was sein Publikum bewegte, denn es bewegte auch ihn. Er sang von Alltagsgeschichten, von kleinen Übeln und großen Dummheiten, er sang vor allem den Menschen aus dem Herzen. Sie liebten ihn dafür und für seinen Mut zum Galgenhumor.
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