


Alexander Estis nutzt die Kunst des Abschweifens als literarisches Mittel. Seine Satiren verknüpfen russische Erzähltraditionen mit einer präzisen deutschen Sprache, die den Zweifel zum Prinzip erhebt. Das Trio Scho begleitet diese Texte mit einer Mischung aus Klezmer, Swing und osteuropäischen Melodien. Die Musik greift die Stimmung zwischen Melancholie und Übermut auf, die den Erzählungen von Estis zugrunde liegt. Der Abend findet in der Neuen Synagoge Berlin – Centrum Judaicum statt. Die Kombination aus Wort und Musik zielt auf ein Publikum, das philosophische Fragen und musikalische Traditionen schätzt.
Am Anfang war der Schmonzes. Oder vielleicht doch das Tohuwabohu? Bei Alexander Estis ist selbst der Ursprung der Welt eine Frage der Auslegung. Genau darin liegt der Reiz seiner Literatur. Denn Schmonzes ist bei ihm weit mehr als Gerede, Unsinn oder bloßes Sichverzetteln. Er wird zur Erzählform, zur Kunst des Abschweifens – und vielleicht sogar zur Überlebensstrategie. \n\nIn seinen sprachakrobatischen Satiren treffen jüdischer Witz, russische Erzähltradition und die Lust an der deutschen Sprache aufeinander – und widersprechen sich genüsslich. Seine Texte erinnern an talmudisches Denken: Auf jede Antwort folgt eine neue Frage, auf jede Gewissheit ein Zweifel, auf jeden Gedanken ein Gegengedanke. Gerade aus diesem Wechselspiel entsteht Erkenntnis.\n\nWas aber ist jüdischer Humor? Warum ist ein jüdischer Witz niemals nur ein Witz? Vielleicht weil in der jüdischen Erzähltradition Lachen und Weinen seit Jahrhunderten eng beieinanderliegen. Bei Estis wird die Pointe zum philosophischen Instrument: Sie entlarvt Vorurteile, spielt mit Klischees und verwandelt Schmerz in Sprachkunst.\n\nUnd wo könnte der Schmonzes besser zu Hause sein als in Odessa – jener legendären Hafenstadt am Schwarzen Meer, in der Sprachen, Religionen und Kulturen über Jahrhunderte aufeinandertrafen? Odessa ist weniger ein geografischer Ort als ein Lebensgefühl: ein Klang aus Jiddisch, Russisch und Ukrainisch, aus Melancholie und Übermut, aus Geschichten, die vielleicht wahr sind. Und wenn nicht – umso besser erzählt.\n\nZu dieser Welt gehört die Musik. Das Trio Scho bringt jüdische, ukrainische und russische Traditionen, Klezmer, Swing sowie osteuropäische Melodien auf die Bühne. Seit seiner Gründung 1991 im ukrainischen Poltawa und dem späteren Umzug nach Berlin verbindet das Ensemble musikalische Virtuosität mit feinem Humor – ganz nach seinem Motto: Hauptsache, es ist nicht nur schön, sondern auch scho.\n\nGemeinsam gestalten Alexander Estis und Trio Scho einen Abend zwischen Literatur und Musik, zwischen Berlin und Odessa, zwischen Tacheles und Schmonzes. Einen Abend voller Witz, Sprachlust und Melancholie – und voller Geschichten, die mehr über die Welt verraten als manche Wahrheit.
Das erwartet dich
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