


Patrice Barts Interpretation verlegt Schwanensee in die Ära der Romanows. Im Zentrum steht nicht nur die Liebe, sondern eine erdrückende familiäre Manipulation. Die Inszenierung setzt auf eine beklemmende Atmosphäre, die von emotionaler Kälte und Dekadenz geprägt ist. Die Choreographie greift archaische Flugformationen auf, um die Schwanenbilder auf der Bühne zu formen. Die Tänzerinnen imitieren in ihren Tutus das Federkleid der Tiere. Es entsteht ein Bild, das zwischen natürlicher Schönheit und einer gewissen Unwirklichkeit schwankt. Tschaikowskys Musik untermalt das tragische Geschehen. Der Kontrast zwischen der Sehnsucht des Prinzen und dem trügerischen Glanz der Ballszenen bleibt das zentrale Element dieser Aufführung.
Ballett in zwei Akten Musik von Peter I. Tschaikowsky Mit den Mitteln des klassischen Tanzes erzählt Schwanensee die Geschichte von Prinz Siegfried und seiner Liebe zu der verzauberten Prinzessin Odette, die in Schwanengestalt gefangen ist. Bald Schwan bald Mensch ist es ihre Bestimmung, Gegenstand der Phantasien des unglücklichen Prinzen zu sein. In der Interpretation von Patrice Bart ist es Siegfrieds Mutter, die ihren Sohn abgöttisch liebt und alle Fäden seines Schicksals in der Hand hält. Ohne Skrupel manipuliert sie seinen Freund Benno und benutzt Premierminister Rotbart als Erfüllungsgehilfen. In Anlehnung an die Epoche der Romanows im russischen Zarenreich macht sich in dieser Inszenierung eine beklemmende Untergangsstimmung breit, die von der unguten Mischung aus emotionaler Kälte und Dekadenz geprägt ist. Zuflucht findet der junge Prinz in der Begegnung mit den Schwänen. Die faszinierende Wirkung der mächtigen Vögel kommt in den groß angelegten Schwanenbildern des Balletts zum Ausdruck, die choreographisch von den archaischen Flugformationen und ihrer natürlichen, zugleich unwirklichen Schönheit inspiriert sind. Mit den Tutus der Tänzerinnen, die das weiße Federkleid der Tiere nachempfinden, sind diese imposanten Szenen zum Inbegriff des klassischen Balletts geworden. Zum Mythos geworden ist Schwanensee aber auch wegen der Musik von Peter I. Tschaikowsky, der den gegensätzlichen Stimmungen ihren unverwechselbaren Klang verleiht: Sei es die Sehnsucht, die Prinz Siegfried und Odette zueinander finden lässt, oder der trügerische Glanz der Ballszenen, in denen der ganze Hofstaat wie im Rausch der verführerischen Odile verfällt, die als Doppelgängerin Odettes den Prinzen zu dem tragischen Schwur verleitet, mit dem er seine aufrichtige Liebe verrät. Mehr
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