


Das Trio Twin Talk aus Chicago spielt modernen Jazz im A-Trane. Dustin Laurenzi, Katie Ernst und Andrew Green bilden ein eingespieltes Gefüge, das gängige Rollenverteilungen innerhalb der Band konsequent aufbricht. Die Musik setzt auf einprägsame Melodien und eine rhythmisch-harmonische Sprache. Dabei wechseln die Musiker fließend zwischen tragenden und unterstützenden Funktionen, was dem Klang eine eigene Dynamik verleiht. Ergänzt durch nuancierten, wortlosen Gesang von Katie Ernst, bewegt sich das Trio zwischen formaler Eleganz und freier Improvisation. Das Ergebnis ist ein atmosphärischer Kammerjazz, der Details in den Vordergrund stellt.
A-Trane Präsentiert Jazzfest berlin 2026 Tag 4 Heute Mit: Twin Talk «Delights» Uraufführung / World Premiere Feat: Dustin Laurenzi-Katie Ernst-Andrew Green. Twin Talk ist eines der am besten gehüteten Geheimnisse der pulsierenden Jazzszene Chicagos. Die Band hat im Mittleren Westen der USA bereits zahlreiche Fans gewonnen und hätte es längst verdient, auch auf dieser Seite des Atlantiks erhört zu werden. Die Bassistin und Sängerin Katie Ernst hat mit dem Pianisten Jason Moran zusammengearbeitet und war mit der Indie-Rock-Band Iron & Wine auf Tournee. Saxofonist Dustin Laurenzi hingegen hat fantasievolle Interpretationen der Musik von Moondog aufgenommen und stand mit Bon Iver und Bill Callahan auf der Bühne. Gemeinsam mit Schlagzeuger Andrew Green erschließen sie einen modernen Kammerjazz-Sound, dessen rhythmisch-harmonische Sprache zugleich kubistisch und zutiefst sinnlich ist. Die drei Mitglieder von Twin Talk zählen seit weit über einem Jahrzehnt zu den zentralen Persönlichkeiten der Chicagoer Jazzszene. Doch obwohl das Trio in dieser Zeit eine Handvoll immer versierterer Alben veröffentlicht hat, markiert der Auftritt beim diesjährigen Jazzfest Berlin ihr längst überfälliges Europa-Debüt. Das bestechende Album Twin Talk Live aus dem Jahr 2024 wurde entgegen seines Titels in einem Studio aufgenommen. Durch seine äußerst interaktive Spielweise unterläuft das Saxofon-Trio gängige Konventionen, indem die Beteiligten zugleich in der Frontline und in unterstützender Funktion zu hören sind. Die Musik baut auf einprägsamen Melodien auf, die sich mit erstaunlicher Geduld und Sorgfalt entfalten. Die Improvisationen werden mit akribischer Detailgenauigkeit und einem Gespür für das richtige Maß gestaltet. Tenorsaxofonist Dustin Laurenzi und Bassistin Katie Ernst waren in den letzten Jahren im Indie-Rock-Bereich tätig. Er war unter anderem mit Singer-Songwriter Bill Callahan auf Tour, sie stand zusammen mit Iron & Wine auf der Bühne. Doch wenn sie gemeinsam mit Schlagzeuger Andrew Green als Twin Talk auftreten, stellen sie stets ihre tiefe Verbundenheit mit dem Jazz unter Beweis. Hier und da fügt Ernst wortlosen Gesang hinzu, der ebenso präzise und nuanciert ist wie ihr Bassspiel, und während diese mühelos schwingende Musik wie etwa die frühen Bad Plus offensichtlich mit dem Pop liebäugelt, offenbart genaues Hinhören eine Fülle von raffinierten Details. Die Drei füllen jeweils eine tragende Rolle aus, die mit den anderen eng verzahnt ist. Ihre Ausführung jedoch ist von einer stillen Freiheit geprägt. Die formale Eleganz ihrer Musik steht nicht im Widerspruch zu inspirierter Improvisation, wirkungsvollen Akzenten und Verschiebungen sowie den ständigen Rollenwechseln des Line-ups – ganz im Gegenteil.
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