


Berlin war in den zwanziger Jahren für russische Literaten das, was Paris für die Politik war. Als Charlottengrad bekannt, bot die Stadt ein temporäres Zuhause für Autoren, die nach der Oktoberrevolution ihre Heimat verließen. Das Theater im Palais greift diese historische Phase auf. Die szenische Lesung beleuchtet das Leben und Schaffen der Exilanten in einer Zeit, in der Berlin als dritte Hauptstadt Russlands galt. Der Abend widmet sich der Zeitgeschichte und der Literatur. Es geht um den Alltag und die geistige Arbeit jener, die in einem fremden Land Fuß zu fassen versuchten.
Szenische Lesung über das Leben und Schaffen russischer Literaten im Exil der 20er Jahre. Vor ziemlich genau 100 Jahren emigrierten Hunderttausende Russen nach Berlin. Die Oktoberrevolution 1917 und der darauffolgende Bürgerkrieg ließ zahlreiche Adlige, Geschäftsleute und Intellektuelle ihre Heimat verlassen. Während sich die politischen Köpfe unter den russischen Emigranten in Paris versammelten, wurde Prag zum russischen Wissenschaftszentrum jenseits der Grenzen. Und die Schriftsteller? Sie kamen nach Berlin! Fast alle bedeutenden russischen Autoren und Autorinnen des 20. Jahrhunderts lebten vorübergehend hier oder besuchten die Stadt, die Anfang der 20er Jahre zu einem regelrechten Versuchslabor des literarischen Exils wurde. Zu dieser Zeit erhielt Charlottenburg den Spitznamen „Charlottengrad“; Berlin selbst wurde „Moskau an der Spree“ und „Dritte Hauptstadt Russlands“ genannt.
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