


Ein Chemiker leidet unter bizarren Träumen und einer wachsenden Messer-Phobie. Die Grenze zwischen Einbildung und Realität verschwimmt, bis er schließlich Hilfe bei einem Psychoanalytiker sucht. Regisseur G. W. Pabst inszenierte diesen Stoff 1926 mit einem Blick für psychologische Tiefe. Die nun gezeigte Fassung ist digital restauriert und stammt aus dem Bestand der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung. Die Vorführung wird live am Flügel von Dr. Willem Strank begleitet. Der Film verbindet die frühe Faszination für die Psychoanalyse mit der Ästhetik des Stummfilms.
G. W. Pabst. D 1926. 84 Min. Kamera: Guido Seeber, Curt Oertel, Walter Robert Lach. Bauten: Ernö Metzner. Mit Werner Krauß, Ruth Weyher, Ilka Grüning, Jack Trevor, Pawel Pawlow, Hertha von Walther, Renate Brausewetter, Colin Ross. Live am Flügel begleitet von Dr. Willem Strank. Als der Chemiker Martin Fellmann erfährt, dass der charmante Vetter seiner schönen Frau nach langer Zeit aus Indien zurückkehrt, häufen sich bei ihm bizarre, furchterregende Träume. So stellt er sich etwa vor, dass er versucht, seine Frau mit einem Dolch zu erstechen. Dieser Traum verfolgt ihn so sehr, dass er am nächsten Tag von einer wahren Messer-Phobie besessen ist. Seine Frau und deren Vetter beginnen indes, sich Sorgen um den Mann zu machen, dessen eigene, wahnhafte Verzweiflung in dem Versuch endet, seine Frau tatsächlich zu erstechen – gerade so, wie er es in seinem Traum vorweggenommen hat. Voller Schrecken über sein eigenes, unkontrolliertes Verhalten flieht der Mann und konsultiert einen Psychoanalytiker. Wie ein Puzzle setzen sich die einzelnen Fragmente zusammen, und langsam kann der Analytiker zum Kern der Probleme seines Patienten vordringen. Im Frühjahr 2024 veranstaltete das Kino in der Pumpe eine Reihe mit Filmen von G. W. Pabst, und im Umfeld des begeistert aufgenommenen Romans LICHTSPIEL von Daniel Kehlmann wurde auch diese Filmreihe zu einem großen Erfolg. Insbesondere die Stummfilme, in denen der österreichische Regisseur seine Geschichten mit neusachlichem Blick und emotionaler Tiefe erzählt, erfreuten sich großen Zuspruchs. Dabei war Pabsts gewissermaßen berüchtigster Film – Geheimnisse einer Seele – noch nicht verfügbar. Auf der letzten Berlinale konnte nun endlich die neu rekonstruierte und digital restaurierte Fassung vorgestellt werden. Wir freuen uns, dieses beeindruckende Filmkunstwerk aus einer Zeit, in der die Psychoanalyse salonfähig wurde, auf der großen Leinwand präsentieren zu können. Für die musikalische Begleitung sorgt der Kieler Film- und Musikwissenschaftler und Jazz-Musiker Dr. Willem Strank. Ein Film aus dem Bestand der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in Wiesbaden. Die Filmrestaurierung wurde ermöglicht mit Mitteln aus dem Förderprogramm Filmerbe (FFE).
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